
Wer sind wir?
Die DEUTSCHE QIGONG GESELLSCHAFT e.V.
Im Kapitel über die allgemeinen Prinzipien der taoistischen Atemlehre von Erich und Ilse Stiefvater heißt es über das Zeichen Chung, das im wesentlichen dieser Darstellung entspricht (Es wurde aus stilistischen Gründen leicht abgewandelt:
„Anwendung der Mitte:
Ohne die „Anwendung der Mitte“ und ohne „Harmonie“ kann es keinen rechten Atem und keine freie Zirkulation der Lebenskraft geben. Aber die Pflege des inneren Gleichgewichtes ist nicht nur eine seelische Aufgabe, die zuerst abgeschlossen sein müßte, um dann wie von selbst die vollkommene Aufnahme des ch´i zu bewirken; vielmehr sollten Atemübungen und „Anwendung der Mitte“ eine Einheit bilden. Darauf weist schon Laotse hin, wenn er sagt: „In langen, langen Zügen soll man atmen ...“; dieselbe Auffassung liegt auch dem eifrigen Bemühen zugrunde, durch den (rechten) Atem die Seele zu `nähren´. Wir stehen hier vor einem zentralen Anliegen der angewandten taoistischen Medizinphilosophie, das schwer in Worte zu fassen ist. Ich möchte meine sicherlich unzureichende Vorstellung darüber so zu formulieren versuchen: der Taoist erstrebt die seelische Höherentwicklung nicht allein auf psychischem Wege. Er benutzt dazu auch körperliche Funktionen, und zwar solche, die für das Leben schlechthin unabdingbar sind. Unter diesen nimmt die Atmung ganz offenbar einen hervorragenden Platz ein. Der Taoist weiß um den atemstörenden Einfluß seelischer Erregungen. Atemstörung ist aber Störung eines naturgegebenen Rhythmus und eines der sinnfälligsten Zeichen der Abweichung vom "Weg". "Anwendung der Mitte" hingegen, das ist "die feste Grundlage allen Tuns" (I Ging), das ist die Art und Weise, auf welche der Edle "seine Eigenschaften mit Himmel und Erde vereint", das ist "Verharren im Tao".
Dieses Streben nach Mitte mit Hilfe des Atems zeigt sich nun in der Praxis des täglichen Lebens und in Übereinstimmung mit den Prinzipien der taoistischen Medizinphilosophie darin, daß die Bahnen, über die der Atem vorstellungsmäßig gelenkt werden soll, genau über der Mitte des Körpers verlaufen.“
Zitiert wird bei Erich und Ilse Stiefvater auch Erwin Rousselle, der eine sehr schöne Deutung des Zeichens „Chung“ gegeben hat:
„Das chinesische Schriftzeichen Dschung (chung) heißt Mitte. Der senkrechte Strich wird u.a. symbolisch auf die Weltachse, auf die `gelbe Mitte´ vom himmlischen Auge bis zur Leibesmitte, auf das ethische Prinzip der Mitte des Rechten bezogen, zugleich aber auf den Strom, der beim `Kreislauf des Lichtes´ von ober her über die Stirne geht. Die durchströmte ovale Figur stellt gleichzeitig das dritte oder `himmlische Auge´ dar. Am unteren Ende des senkrechten Pfeiles ist ein kleiner weißer Raum freigelassen. Das bedeutet die Keimperle. Das Schriftzeichen, aus Gold verfertigt und am unteren Ende mit einer weißen Perle versehen, trägt der Meister an der Stirnseite seiner Kopfbedeckung, wenn er die Versammlung in der Lehrhalle leitet. Chung bedeutet auch das Reich der 'Mitte', und zwar zugleich in jenem Sinne des Altertums als Kronland des chinesischen Himmelssohnes."
Beate Bamberger-Hüfner