26.07.2019

Ins Dao De Jing eintauchen mit Jan Silberstorff

Eine spannende und weitgehend unvergleichliche Weiterbildung erlebten 24 Teilnehmende in der Wu Bian Fu Schule von Susan Batchelor in Gelnhausen. Jan Silberstorff, der wohl profilierteste Vertreter des Chen-Stils im Taijiquan in Deutschland und Europa, unterrichtet weltweit in über 15 Ländern und hat mehrere Bücher, DVDs und Fernsehdokumentationen veröffentlicht.

Da er fließend chinesisch spricht und auch schreibt, hat er sich auf die (Neu-) Übersetzung und Kommentierung des Dao de Jing (früher Tao Te King geschrieben) spezialisiert, einem der bedeutendsten philosophischen Grundtexte des Daoismus. Jan gelang es durch seinen lebendigen Vortrag einerseits schnell ein lebendiges Interesse an den Besonderheiten der chinesischen Sprache zu wecken und andererseits Auswirkungen dieser uralten Texte auf die konkrete Übungspraxis jedes ernsthaft Praktizierenden der chinesischen Bewegungskünste aufzuzeigen.

Da die chinesische Schrift eine komplexe Bildersprache ist, kann ein einzelnes Wort, auf das sich der Übersetzer nun mal festlegen muss, kaum die gesamte Bedeutung des Ursprungtextes widerspiegeln. Im konkreten Bezug auf den Urtext bietet Jan in seinen Büchern alternative Übersetzungsmöglichkeiten an, die vielfach einen zusätzlichen Bedeutungshintergrund und einen unmittelbaren Bezug zur persönlichen Übungspraxis aufzeigen und erlauben. Letztlich könne man, so sagen es die alten Schriften, ausgehend von den „10 000 Dingen“, die unsere Welt ausmachen, mit beharrlichem Üben und richtigem Handeln zurückkehren zur Wurzel von allem Sein.

Das sei das Ziel des Daoismus wie des Buddhismus und letztlich auch des Christentums. Das machte Jan mit vielen Beispielen aus den Werken Laotses und der Bibel deutlich.  Wie es sich ganz praktisch anfühlt, wenn aus dem „Nichts eine Idee entspringt“, diese Idee zu Energie führt, welche letztendlich in eine konkrete Bewegung mündet, wurde in den Praxisteilen der Weiterbildung ausprobiert.
Text und Fotos: Ralf Jakob